Arbeitskreis Leben-Einrichtungen (AKL) sind Beratungsstellen, teilweise eng kooperierend mit Krankenhäusern vor Ort, die Menschen in Lebenskrisen und Menschen, die daran denken, ihrem Leben ein Ende zu setzen, aber auch Angehörigen, Freunden und anderen, die sich Sorgen um jemand machen, unterstützen wollen.
Sie verstehen sich als Einrichtungen der Suizidprävention.

  • Der älteste AKL ist seit 40 Jahren tätig.
  • Vor allem Menschen nach einem Suizidversuch wollen wir ermutigen, sich Unterstützung zu holen. Ebenso bieten wir Menschen, die Nahestehende durch Suizid verloren haben, unsere Hilfe an. Hier ist uns die Unterstützung in der Trauer um den verlorenen Menschen besonders wichtig.
  • Neben der Beratung durch Fachkräfte und Begleitung durch geschulte ehrenamtliche Krisenbegleiter*innen bieten die AKL für Interessierte und Fachkolleg*innen Fortbildungen und Informationsveranstaltungen an. 
  • Wir informieren über unsere Arbeit als auch zu allen Themen rund um Krisen, Suizidalität, Trauer nach Suizid.
    Jeder AKL ist dafür vor Ort anfragbar.
  • Wir wollen explizit zur Enttabuisierung des Themas Suizid in unserer Gesellschaft beitragen. Sterben doch nach wie vor in der Bundesrepublik mehr Menschen durch Suizid als z.B. durch Verkehrsunfälle, Drogen und Aids zusammen.

Wie alles begann

Im Jahr 1953 gab der anglikanische Pfarrer einer Londoner Innenstadtgemeinde, Chad Varah, in der „Times“ die Anzeige auf: „Bevor Sie Selbstmord begehen, rufen Sie mich an“. Mit den Samaritans wurde die telefonische Betreuung in England dann institutionalisiert.

Nur kurze Zeit später (1956) wurde in Berlin die ärztliche Lebensmüdenbetreuung als Antwort auf die Samaritans in England gegründet. Daraus entstanden die Telefonseelsorge -Einrichtungen (TS) mit kirchlichen Trägern.

1976 erkannten einige „bürgerschaftlich engagierte“ Mitglieder der Tübinger Telefonseelsorge, dass bei suizidgefährdeten Menschen über den Telefonkontakt hinaus eine direkte Begegnung mit den Betroffenen hilfreich ist.

Der Arbeitskreis Leben Reutlingen/Tübingen (AKL) mit dem Motto: Menschen in Krisen brauchen ein Gegenüber wurde gegründet!

Die Hilfeangebote orientieren sich stets an den Bedürfnissen der Betroffenen – einmalig in einer Notsituation oder als längerfristige Beratung und Begleitung angelegt.

Dieses Konzept kann durch die Zusammenarbeit von hauptamtlichen Fachkräften und ehrenamtlichen, geschulten Krisenbegleiter*innen umgesetzt werden - manche AKL sind sogar nur mit Freiwilligen organisiert.
In Kooperation mit der Telefonseelsorge, einem Krisendienst oder als AKL innerhalb einer Klinik ist eine Rund-um-die-Uhr-Erreichbarkeit möglich.

Eine Mitarbeit als ehrenamtliche*r Krisenbegleiter*in setzt eine fundierte Ausbildung beim AKL voraus. Interessierte Menschen durchlaufen eine Selbsterfahrungsphase mit daran anschließender theoretischer und praktischer Vorbereitung auf Kriseneinsätze und Krisenbegleitungen.
Da nahezu alle AKL-Einrichtungen als e.V. geführt werden, sind zusätzlich eine Vielzahl an ehrenamtlich tätigen Vorstandsmitgliedern wesentlich am Gelingen beteiligt.

Die Landesarbeitsgemeinschaft der AKL in Baden-Württemberg

Um diese Hilfeangebote mit der gegebenen Professionalität aufrecht erhalten zu können, ist für jeden einzelnen AKL ein großer Verwaltungsaufwand sowie erhebliche Bemühungen um eine ausreichende Finanzierung erforderlich. Die Bemühungen um einheitliche Standards sowie um überregionale Förderung durch das Land Baden-Württemberg haben zur Gründung der Landesarbeitsgemeinschaft der AKL geführt.

Erfreulicherweise haben auch Vertreter*innen des Landes Baden-Württemberg diese wichtige Arbeit kennen und schätzen gelernt und so eine Förderung ermöglicht, die allerdings noch auf einen Stand von acht AKL-Einrichtungen basiert.

Momentan sind in Baden-Württemberg zehn Krisenberatungsstellen unter den Regularien der Landesarbeitsgemeinschaft als AKL-Einrichtungen tätig.

Zwei Online-Beratungen durch Jugendliche (www.u25-freiburg.de und www.youth-life-line.de ) haben sich gegründet. Eine Chat-Beratung ist gerade im Werden (Stepp out unter www.youth-life-line.de).
Damit sind momentan über 330 Personen in der direkten Begleitung von Menschen in Krisen im AKL-Konzept beteiligt.

Mit den Personen, die die direkte Krisenbegleitung zusätzlich in Organisation, Öffentlichkeitsarbeit und Finanzbeschaffung gewährleisten, sind damit im Rahmen der AKL-Arbeit weit über 400 Personen direkt bürgerschaftlich engagiert.